Unternehmenschronik der "Werner Scholz GmbH"

Vom Lehrling zum Geschäftsführer

Am 1. April 1953 hat Werner Scholz seine Lehre als Maschinenbauer in der Turchonski Maschinenfabrik GmbH, Schlesische Straße 29/30, in Berlin-Kreuzberg begonnen, nicht ahnend, dass er einmal, 30 Jahre später, Chef des Nachfolgebetriebes werden würde. Der Betrieb befand sich damals im hintersten der "Höfe am Osthafen", einer aus fünf Höfen bestehenden Wohn- und Gewerbeanlage, die auch die Bezeichnung "Industriepalast am Schlesischen Tor" trägt.
Die Anlage wurde 1907/1908 von dem Bauunternehmen "Boswau & Knauer GmbH Berlin" errichtet.


Zu den Mietern des Industriepalastes zählten 1915 u. a. die Revierinspektion der Städtischen Gaswerke, das Büro des 79. Polizeireviers, die Aktiengesellschaft für Anilin-Fabrikation, die Singer & Co. Nähmaschinen Aktiengesellschaft und
die Pianofortefabrik Hermann Boenecke.



In diesem Hof saß in der 2. Etage die 1983 gegründete Werner Scholz GmbH. Die Aufnahmen stammen
zwar vom Februar 2014, aber an den Gebäuden hat sich gegenüber damals nahezu nichts verändert.


Nach dem Zweiten Weltkrieg ist dann auch die Turchonski Maschinenfabrik GmbH, die ihren Sitz zuvor in der Luckauer Straße in Kreuzberg hatte, in den letzten Gewerbehof eingezogen.
Sie war von dem Ingenieur Ernst Turchonski gegründet worden und wurde dann, nach dessen Ausscheiden aus dem Betrieb, von seinem Sohn Rudolf, der Kaufmann war, und danach von seinem Enkel Wolfgang Turchonski, ebenfalls Kaufmann, fortgeführt. In einer wirtschaftlich schwierigen Situation hat dieser dann 1982 beschlossen, seine Maschinenfabrik zu liquidieren.

Allen Mitarbeitern wurde von der Turchonski Maschinenfabrik zum 31. Dezember 1982 gekündigt, und anschließend wurden sie von dem Nachfolgebetrieb Scholz GmbH im Januar 1983 wieder eingestellt.


Kündigung vom 29. Oktober 1982 mit folgendem Wortlaut: "Hiermit kündigen wir das mit Ihnen und unserer Firma bestehende Arbeitsverhältnis zum 31. Dezember 1982 bzw. zum früheren Zeitpunkt gemäß Tarifvertrag der Berliner Metallindustrie wegen Stillegung der Turchonski Maschinenfabrik GmbH und anschließender Liquidation."

Herr Werner Scholz hatte seine Lehre als Maschinenbauer 1956 abgeschlossen und arbeitete danach 27 Jahre lang als Maschinenbediener, Einrichter und schließlich stellvertretender technischer Leiter in der Firma. Um den Betrieb nach der Liquidation nicht zugrunde gehen zu lassen, wurde er, der für eine solche Aufgabe für besonders geeignet angesehen wurde, von den Mitarbeitern gedrängt, die Firma durch eine Neugründung fortzuführen.

Um Bürgschaften vom Senat zu erhalten, bemühte er sich um Absichtserklärungen einiger der bisherigen Auftraggeber (z. B.: WABCO und Siemens), der neu zu gründenden Scholz GmbH weiterhin Aufträge zu erteilen. In dem Bestreben, zur wirtschaftlichen Gesundung des Betriebes beizutragen, wurde der Kern der Belegschaft in die Neugründung der Werner Scholz GmbH übernommen. Es begann nun für Herrn Scholz und seine Belegschaft eine Zeit höchsten Arbeitseinsatzes, wobei es für alle Beteiligten um den Erhalt ihrer Arbeitsplätze ging.
Diverse geleistete Überstunden oder Zuschläge für Sonn- und Feiertagsarbeit konnten zu dieser Zeit nicht abgegolten werden. Andererseits herrschte aber ein Teamgeist, der seinesgleichen suchte. Man fertigte damals Dreh-, Fräs- und Bohrteile auf konventionellen Maschinen.


Mitarbeiter beim konventionellen Drehen an einer Revolverdrehbank
in dem alten Betrieb in der Schlesischen Str. 29/30



Auszug aus einem Schreiben vom Januar 1983, in dem die Kunden der
Turchonski Maschinenfabrik GmbH von der Übernahme des Fertigungsbereichs
Automatendrehteile usw. durch die Werner Scholz GmbH unterrichtet wurden.


Zu den damaligen Hauptkunden zählten die Unternehmen WABCO, Mannesmann-Rexroth und die Berliner Wasserbetriebe. Zu Beginn hatte man auf dem hinteren Hof in der Schlesischen Straße 29/30 einige Räume im zweiten Obergeschoß in einer Größe von etwa 400 m². Später mietete man noch weitere Räume in den oberen Etagen sowie einige Kellerräume hinzu, bis man schließlich über eine Fläche von ca. 2000 m² verfügte.


Kopf des neuen Briefbogens der Werner Scholz GmbH aus den 1980er Jahren

Nach der Wende waren die Mieten so dramatisch angestiegen, dass sie ab Mitte der 1990er Jahre für die Scholz GmbH nicht mehr bezahlbar waren. Da außerdem das Auftragsvolumen der Firma immer mehr zunahm, sah man sich gezwungen, sich nach einem neuen Betriebsstandort umzusehen. Der Senat von Berlin bot dafür einen Bauplatz in der Wolfener Str. 25 in Berlin-Marzahn an. Im Nachhinein hat sich diese Lösung als die einzig richtige erwiesen, da die Arbeitsräume in den Obergeschossen der Schlesischen Straße nicht in der Lage gewesen wären, den Deckenbelastungen durch die später neu erworbenen Maschinen standzuhalten. 1996 wurden die Bauarbeiten für das neue Gebäude begonnen, und Anfang 1997 wurde die Arbeit in den neuen Arbeitsräumen aufgenommen.


Links: Neubau in der Wolfener Str. 25 aus dem Jahre 1997;
rechts: Gebäudeerweiterung im Jahre 2004

Um das Grundstück auf Basis der Erbbaupacht übernehmen zu können, forderte der Senat die Schaffung einer eigenen Gesellschaft Bürgerlichen Rechts, die als "Werner & Eleni Scholz GbR" gegründet wurde. Nach Fertigstellung des neuen Gebäudes Anfang 1997 stand dem Betrieb eine Produktionsfläche von 2900 m² zur Verfügung. Aus dem ehemals kleinen Produktionsbetrieb war zu diesem Zeitpunkt ein Industrieunternehmen mit 35 Mitarbeitern geworden.
Der Maschinenpark wurde im Laufe der Zeit nach und nach modernisiert und erweitert, und es wurden für Fräs- und Dreharbeiten hochgenaue CNC-Maschinen angeschafft.

Um den wachsenden Qualitätsanforderungen der Kunden zu entsprechen, wurde 1999 ein Qualitätsmanagementsystem eingeführt, und ab 2000 erfolgte die Zertifizierung nach DIN EN ISO 9002 und den folgenden Normen.  
Im Laufe der Jahre konnten neue Kunden wie Siemens und Knorr-Bremse hinzugewonnen und die Geschäftsbeziehungen zu weiteren renommierten Kunden (Daimler und die Baumer Hübner GmbH) ausgeweitet und vertieft werden.
Aufgrund des ständig steigenden Auftragsbestandes wurde im Jahr 2004 sowohl die Fläche des Produktionsbereichs als auch die der Verwaltung erweitert. Es sind damals ca. 850 m² Produktionsfläche und 250 m² Bürofläche neu entstanden.

Bis zum Krisenjahr 2009 lief das Geschäft hervorragend, jedoch hat die Finanzkrise den Betrieb voll getroffen, wodurch sich seine Umsätze etwa halbiert haben. Inzwischen hat er sich davon wieder erholt.

Herr Werner Scholz befasste sich schon seit Jahren mit dem Gedanken, sich aus seinem Betrieb zurückzuziehen und verhandelte mit mehreren Interessenten, bis er schließlich 2013 den für ihn geeigneten in der Person von Herrn Mario Ahlberg, Geschäftsinhaber der Ahlberg Metalltechnik GmbH, fand. Die Geschäftsübergabe erfolgte rückwirkend zum 1. Juli 2013. Seitdem steht die Werner Scholz GmbH mit ihren 51 Mitarbeitern unter dem Dach der Ahlberg Metalltechnik Gruppe.

Zwei langjährige Mitarbeiter der Werner Scholz GmbH

Scholz, Werner (Firmengründer)
geb.: 12.11.1938 in Berlin
erlernter Beruf: Maschinenbauer
Betriebsübernahme: 1.1.1983


 

Buhl, Rainer
geb.: 5.6.1961 in Berlin
erlernter Beruf: Maschinenschlosser
Eintritt in die Werner Scholz GmbH: 1977


Herr Buhl vor einer CNC-Drehmaschine der Firma TRAUB