Unternehmenschronik Gampe & Mosner

In diesem Gebäude, auf dem zweiten Hinterhof der Hasenheide 9 in Berlin-Kreuzberg, unweit vom Hermannplatz, befand sich in der 3. Etage der erste Firmensitz der "Gampe & Mosner GmbH - Werkzeug- und Vorrichtungsbau" (diesen Namen gab man der Firma gleich nach der Übernahme, und so heißt sie bis auf den heutigen Tag).


Die Aufnahmen stammen vom Januar 2014, das Gebäude sieht aber, abgesehen von den neu eingesetzten Fenstern,
praktisch noch genauso aus wie 1979.


Am 15. Juni 1979 erwarben die beiden Freunde Claus Gampe und Klaus Mosner, die schon seit längerem beabsichtigten, gemeinsam eine Werkzeugfirma zu gründen, die Firma "Krellenberg Werkzeugbau". Durch eine Anzeige in der "Berliner Morgenpost" sind sie seinerzeit auf das Angebot aufmerksam geworden. Die neuen Firmeninhaber fanden die Betriebsräume (einen großen Saal, einen Nebenraum und eine Toilette) in einem trostlosen Zustand vor.

Die Räume waren trist und dunkel. Um eine freundlichere Arbeitsumgebung zu schaffen, war eine der ersten Tätigkeiten der Inhaber und ihrer Mitarbeiter eine großangelegte Renovierungsaktion, bei der alle Wände hell gestrichen wurden. Zusammen mit der Firma hatten die Inhaber auch zwei Mitarbeiter und einen Kunden übernommen. Von den Mitarbeitern trennten sich die Inhaber schon nach kurzer Zeit, da diese den neuen Anforderungen nicht gewachsen waren.

Den Kunden (Firma Sperlich GmbH - Gießerei für Aluminium-Druckguß in der Holländerstraße 122 in Berlin-Reinickendorf) hatten sie noch lange als Auftraggeber behalten. Die neuen Eigentümer übernahmen einen veralteten Maschinenpark, viel Schrott und nur noch bedingt brauchbare Werkzeuge. Ein Teil der Maschinen wurde, trotz ihres Alters, noch lange genutzt, andere wurden schon bald ausrangiert. Schon nach kurzer Zeit kaufte man eine neue Fräsmaschine, später wurden weitere neue Maschinen angeschafft.

Noch 1979 wurden drei neue Mitarbeiter eingestellt und im Februar 1980 der noch heute in der Firma als Fertigungsleiter tätige Martin Herrmann. Die beiden Geschäftsführer arbeiteten immer aktiv in der Produktion mit, und auch die Ehefrauen hatten ihren Beitrag dazu geleistet, dass der neue Betrieb ein Erfolg wurde. Sie führten im Wechsel von zu Hause aus die komplette Buchhaltung und den gesamten Schriftverkehr bis hin zur Rechnungslegung. Als Frau Helga Gampe 1985 ausschied, trat Frau Regina Mosner am 1. November desselben Jahres direkt in den Betrieb ein.

Bereits nach einem halben Jahr konnte man die Pierburg GmbH, einen Automobil-Zulieferer, als Auftraggeber gewinnen, der bis heute ein treuer Kunde ist. Durch ständige Ansprache von potentiellen Kunden, deren Anschrift man im Telefonbuch und in Adressenverzeichnissen fand, aber auch durch Empfehlungen der vorhandenen Kunden konnten neue Auftraggeber gewonnen werden.

In diesem Prospekt vom Ende der 80er Jahre, dem ersten und einzigen ihrer Firmengeschichte, empfahl sich die Gampe & Mosner GmbH folgendermaßen:
"G & M Berlin" besteht seit 1979. Ein moderner Maschinenpark und der qualifizierte Mitarbeiterstamm garantieren für Qualität und höchste Präzision. Umfangreiche Erfahrung macht "G & M" zu ihrem idealen Partner im Sondermaschinen- und Vorrichtungsbau.

Der Prospekt warb mit folgendem Angebot:
Entwicklung und Bau von Schnitt-, Stanz- und Biegewerkzeugen, Vorrichtungen und Sondermaschinen aller Art (inklusive Planung, Konstruktion, pneumatischer und elektronischer Steuerung, Wartung und Installation), Formen, Modelle, Muster und Prototypen. Das Angebot umfaßt außerdem die Fertigung von Einzelteilen und Kleinserien, die Weiterbearbeitung vorgefertigter Teile, Reparaturen und Umbauten und Erodierarbeiten. Als Auftraggeber werden genannt: AEG, ALU-Druckguß, Biotronik, BMW, Deutsche Vergaser Ges., Fusor, Mercedes-Benz, Osram, SEL, Subklew, Schindler, Schuler-Pressen, Stewing, Vobra u.v.a.


Die Jahre 1992-1994 waren für die Firma eine besonders schwere Zeit. Durch zahlreiche Betriebe aus den neuen Bundesländern, die durch die Treuhandanstalt finanzielle Unterstützung erhielten und dadurch Gebote zu Dumpingpreisen abgeben konnten, war eine harte Konkurrenz entstanden. Die Aufträge der "Gampe & Mosner GmbH" gingen in diesen Jahren ständig zurück. Einen Tiefstand erreichte man 1994. Nur durch Entlassungen nach gesetzlich vorgeschriebenem Sozialplan konnte man damals dem drohenden Konkurs entgehen. Als in den folgenden Jahren viele der neu gegründeten Konkurrenzfirmen pleitegingen, bekam die Firma wieder Aufwind.

Im Laufe der Jahre hatte man, nachdem einige benachbarte Mieter auf derselben Etage ausgezogen waren, deren Räume mit dazugemietet, so dass man am Ende ca. 500 m² zur Verfügung hatte. Dennoch hatte man schon seit längerem einen neuen Firmenstandort anvisiert, da die Räume in der Hasenheide für die Kunden sehr unattraktiv und für die Produktion zu klein waren. Auch die Lage in der 3. Etage war äußerst ungünstig. Der Produktionsfirma stand für An- und Auslieferungen nur ein räumlich begrenzter Lastenfahrstuhl zur Verfügung. Bei Lieferanten bestellte Waren (Stangen, Platten usw.) mussten oft noch auf dem Hof geteilt werden.

Auch fertige Vorrichtungen, die dem Kunden geliefert werden sollten, mussten je nach Umfang im 3. Stock demontiert und unten wieder zusammengebaut werden, was zusätzlichen Zeitaufwand erforderte. An eine besonders aufregende Aktion erinnert man sich heute noch: Als eine sehr schwere Maschine geliefert wurde, die nicht durch das Treppenhaus transportiert werden konnte, mussten extra die Fenster ausgebaut und der für den Transport erforderliche Kran teilweise demontiert werden.

Herr Kostyra von der Handwerkskammer gratuliert Herrn Mosner (links) und Herrn Gampe (Mitte) zum
25jährigen Bestehen ihrer Firma.


Nach langem Suchen fand man schließlich neue Produktionsräume in der Schwedenstraße 9 in Berlin-Wedding. Dort hatte man nun eine Hallenfläche von rund 575 m² (plus 83 m² Keller). Das Wesentliche jedoch war die Tatsache, dass sich die Räume im Erdgeschoß befanden.


Das Mitarbeiterteam von "G & M" in der Hasenheide im Jahr 2000, links außen die beiden
Firmeninhaber Claus Gampe (vorn) und Klaus Mosner


Der Umzug erfolgte zur Jahreswende 2000 auf 2001. Die Belegschaft umfasste damals ca. 15 Mitarbeiter. Nach dem Umzug in die Schwedenstraße ging es mit der Firma ständig bergauf, und man konnte sehr positive Umsätze erzielen.
Im April 2006 schied Herr Gampe aus Altersgründen aus der Firma aus. Herr Mosner führte die Firma allein weiter. Er strebte jedoch an, die Firma G & M in einigen Jahren abzugeben. Er fand schließlich, nach Verhandlungen mit verschiedenen anderen Interessenten, Herrn Mario Ahlberg, Geschäftsführer der Ahlberg Metalltechnik GmbH, der die G & M seit dem 1. Januar 2012 als geschäftsführender Gesellschafter leitet. Herr Mosner ist im August 2012 aus dem Betrieb ausgeschieden.


Die Verkaufsverhandlungen zur Übergabe der Firma "Gampe & Mosner" an Herrn Ahlberg
vor dem Notar (links im Hintergrund) fanden am 31. Oktober 2011 um 23.00 Uhr ihren Abschluß.

Im Vordergrund v.l.n.r.: Frau Regina Mosner, Herr Claus Gampe, Herr Mario Ahlberg und Herr Klaus Mosner

Die Firmengründer der Gampe & Mosner GmbH

Gampe, Claus
geb. am 6.4.1941 in Falkenberg bei Oppeln (Oberschlesien)
erlernter Beruf: Werkzeugmacher, dann Meister
bei G&M bis: April 2006


Herr Gampe in den Büroräumen von G&M in den 1990er Jahren

 

Mosner, Klaus
geb. am 6.4.1949 in Hamburg
erlernter Beruf: Maschinenbauer, dann Meister
bei G&M bis: August 2012


Herr Mosner und Gattin im Büro in der Hasenheide im Oktober 2000

 

Der dienstälteste Mitarbeiter

Herrmann, Martin
geb. am 13.5.1958 in Berlin
erlernter Beruf: Werkzeugmacher
Arbeitsbeginn bei G&M: Februar 1980
derzeitige Funktion: Fertigungsleiter


Herr Herrmann am 10. Januar 2014 vor einer zyklengesteuerten Drehmaschine