Unternehmenschronik der DAWEBA GmbH

Die Dabendorfer Werkzeugbau GmbH (DAWEBA) ist aus dem ehemaligen Funkwerk Dabendorf hervorgegangen. Als nach der deutschen Wiedervereinigung viele Betriebe der ehemaligen DDR, die den westdeutschen Unternehmen gegenüber nicht konkurrenzfähig waren, vom wirtschaftlichen Ruin bedroht waren, wollten einige Mitarbeiter der Abteilung Werkzeugbau der Funkwerk Dabendorf GmbH, die damals zum Funkwerk Köpenick gehörte, ihrer Abteilung ein derartiges Schicksal ersparen.

Funkwerk Dabendorf - Kurzer historischer Abriss

Im Jahre 1939 verlegte die ursprünglich in Berlin-Tempelhof ansässige C. Lorenz AG, Hersteller von Rundfunk- und Fernmeldeanlagen, einige Betriebsteile nach Dabendorf bei Zossen. Während des Krieges wurden dort u. a. Radargeräte erprobt und gebaut. Bei Kriegsende hatte der Betrieb dem Vernehmen nach noch ca. 150 Beschäftigte.

Ab 1945 produzierte man zunächst Gebrauchsgegenstände für die Bevölkerung wie Kochtöpfe und Maisentkerner sowie kleine Radios. 1949 wurde der Betrieb enteignet und in einen Volkseigenen Betrieb (VEB) mit der Bezeichnung "VEB Funkwerk Dabendorf" umgewandelt, in dem Funkgeräte für die Seefahrt entwickelt und gebaut wurden. 1956 hatte der Betrieb 583 Beschäftigte. Am 1. Januar 1965 wurde er an den VEB Funkwerk Köpenick als Betriebsteil Dabendorf angegliedert.

1989 wurde der Betrieb wieder vom Funkwerk Köpenick getrennt und arbeitete nach der Privatisierung als Funkwerk Dabendorf GmbH weiter. 1990 gründete sich dann die Dabendorfer Werkzeugbau GmbH (DAWEBA) aus dieser GmbH heraus. Die weiterbestehende Funkwerk Dabendorf GmbH war bis zum Oktober 2012 ein Unternehmen der Funkwerk AG. Seitdem gehört sie unter dem Namen novero dabendorf zu novero.

Privatisierung

Dieter Daske, Mitarbeiter des Werkzeugbaus und ab 1990 Vorsitzender des Betriebsrates und damit zugleich Mitglied der Betriebsleitung, übernahm dabei die Vorreiterrolle. Ursprünglich sollte der Werkzeugbau einfach aufgelöst werden. Das Funkwerk Dabendorf räumte Herrn Daske jedoch die Möglichkeit ein, den Werkzeugbau zu privatisieren. Das erforderte aber einen Investor aus den alten Bundesländern, der letztlich mit dem Autoteilehändler Werner Hampf und seiner Frau aus Böblingen in Baden-Württemberg gefunden wurde.

Nun musste das Startkapital von 100 000 DM zur Gründung einer GmbH beschafft werden. Herr Daske versuchte, die Mitarbeiter davon zu überzeugen, diesen Betrag, zusammen mit dem Investor, aus eigenen Mitteln oder durch Aufnahme von Krediten aufzubringen. Dietmar Bothen und Jens Falke waren jedoch neben Herrn Daske die einzigen, die bereit waren, ein derartiges finanzielles Risiko einzugehen. Sie nahmen Bankkredite auf, um die Arbeitsplätze der Mitarbeiter des Werkzeugbaus zu erhalten und einen Betrieb in Form einer GmbH zu gründen.

Die drei obengenannten Mitarbeiter des Werkzeugbaus übernahmen zusammen mit Herrn Hampf und dessen Frau die Geschäftsführung. Herr Daske leistete dabei die Hauptarbeit als Geschäftsführer, während sich Herrn Hampfs Beitrag zur Geschäftsführung sehr in Grenzen hielt, da er Dabendorf nur jeweils an einem Tag im Monat besuchte.
Nach der Wende kamen viele hilfsbereite, von großem Enthusiasmus getragene Menschen aus den alten Bundesländern in die ehemalige DDR, um uneigennützig und aufrichtigen Herzens am "Aufbau Ost" mitzuwirken. Leider aber waren nicht alle von solch edlen Motiven beseelt, sondern es gab auch etliche schwarze Schafe unter ihnen, die nur ihr eigenes Interesse im Auge hatten.



Auf diesem Bild einer Brigade des Funkwerkes Dabendorf aus dem Jahre 1984 sind auch zwei der Gründungsmitglieder der späteren DAWEBA zu sehen: Dietmar Bothen (Mitte, zweite Reihe, mit Schnurrbart) und Dieter Daske (hintere Reihe, dritter von rechts). Der Herr rechts hinter Herrn Bothen ist Thomas Daske, der heutige Leiter des Prototypenbaus der DAWEBA.


Die DAWEBA hatte das Pech, an Herrn Hampf zu geraten. Er hatte das Material und die Maschinen der neu zu gründenden Firma von der Treuhandanstalt für 1 DM erhalten. Als 1992 sein Autoteilehandel in Böblingen in Konkurs ging, nahm er seine Geschäftsanteile aus der Firma, die die verbleibenden drei Gesellschafter nun kauften, um das Unternehmen weiterzuführen. Da das Gebäude und das Grundstück, auf dem sich der Betrieb befand, ebenfalls Hampf gehörte und diese zwangsversteigert wurden, mussten die drei nun privat zusätzlich noch einen äußerst hohen Betrag durch Kredit aufbringen, um den Betrieb weiter zu erhalten.

Die ersten Jahre des neuen Betriebes waren überaus schwer. Obwohl es zu Beginn schon gelungen war, mit so profilierten Unternehmen wie Bosch-Telekom und AEG Mobile Communication, DeTeWe und dem Viessmann Heizkesselbau sowie mit verschiedenen mittelständischen Unternehmen aus den alten und neuen Bundesländern zusammenzuarbeiten und Werkzeuge für unterschiedlichste Anforderungen anzufertigen, wurden die Aufträge schon bald sehr knapp. Dennoch mussten natürlich, trotz fehlender Arbeit, die damals 21 Mitarbeiter weiterbezahlt werden.

Zunächst hielt man sich notdürftig mit dem Bau und sogar der Montage von Fenstergittern für Keller von Wohnhäusern und für Betriebe über Wasser. Außerdem baute man Werbeaufsteller für Geschäfte. Als es 1993 nahezu keine Arbeit mehr gab, ging Herr Daske mit einem Musterkoffer in den westlichen Bundesländern förmlich hausieren, um Aufträge
einzuwerben. Zuerst erhielt er einen bescheidenen Auftrag von der AEG für ein Werkzeug zur Herstellung eines kleinen Stanz- und Biegeteils aus Messing (Abschirmrahmen für Leiterplatten).

Danach war man wieder vom Pech verfolgt. Die Willi GmbH, eine Arbeitsvermittlung im Ruhrgebiet, erbot sich, Aufträge zu vermitteln und wollte dafür 30 % Provision kassieren. Als das zu bauende Werkzeug bald geliefert werden sollte, machte die Willi GmbH pleite. Dadurch gelang es der DAWEBA, wieder aus dem Vertrag mit ihr herauszukommen, ohne etwas zahlen zu müssen.



Das hatte nun allerdings den Vorteil, dass man auf diese Weise mit der Firma CAWi (Carl August Wirth) GmbH im Sauerland (Westfalen) in Kontakt kam und den Auftrag erhielt, weiterhin Werkzeuge für die Automobilindustrie zu bauen. Eine weitere Firma, die man dann als Auftraggeber gewinnen konnte, war die Synteks GmbH in Bayern, für die man Folgeverbundwerkzeuge herstellte. Da es sich dann allmählich herumsprach, dass die DAWEBA gute Arbeit leistete, erhielt man auch Aufträge von weiteren Firmen zum Bau von Stanz- und Umformwerkzeugen, so dass sich der Betrieb allmählich sanieren konnte. In den folgenden Jahren hat sich die Bilanz des Betriebes ständig verbessert, und das Betriebsergebnis konnte von Jahr zu Jahr gesteigert werden.

In dieser Werbebroschüre, mit der Herr Daske auf Reisen ging, wurden die vielfältigen Möglichkeiten der DAWEBA GmbH aufgezeigt, und es wurde angegeben, über welche modernen Ausrüstungen und Maschinen für die Herstellung von Werkzeugen sie verfügt. Das Hauptaugenmerk richtete man dabei auf Blechbearbeitungswerkzeuge für schneidende und umformende Prozesse. Man verwies auf große Erfahrungen bei Schnittwerkzeugen für die elektronische Industrie, auch im miniaturisierten Bereich, sowie bei Biegeprozessen, Verbundwerkzeugen und speziellen druckluftgetriebenen Bauelementevorbereitungswerkzeugen für die Leiterplattenbestückung. Als weitere Spezialität wurde die Anfertigung von Einzelteilen und Kleinstserien, einschließlich galvanischer Bearbeitung und Farbgebung, auch mit Siebdruck, herausgestellt.

Mit diesem Verzeichnis der 1991 bei der Dabendorfer Werkzeugbau GmbH vorhandenen Maschinen und Ausrüstungen, das der Werbebroschüre beilag, sollte den potentiellen Kunden aufgezeigt werden, über welch einen modernen und leistungsfähigen Maschinenpark der Betrieb verfügte.

Am 31. August 2009 ist Herr Daske in den Ruhestand getreten und als Gesellschafter ausgeschieden. Die Anteilsmehrheit hat am  1. September 2009 die Banholzer Metallwarenfabrikation GmbH, vertreten durch Herrn Ahlberg, übernommen. Diese GmbH firmierte am 1. November 2011 in Ahlberg Metallwaren GmbH um. Seitdem führen deren Leiter, Mario Ahlberg, und Jens Falke den Betrieb gemeinsam, Herr Ahlberg den geschäftlichen Teil und Herr Falke den technischen.

Die Mitbegründer der DAWEBA GmbH

Daske, Dieter
geb.: 17.8.1942 in Sperenberg
erlernter Beruf: Werkzeugmacher
weitere Qualifikation: nach Fernstudium Lehrmeister,
Ingenieur und Ingenieurpädagoge
Arbeitsbeginn beim Funkwerk Dabendorf: 1959
Ausscheiden bei DAWEBA: 2009


Links: Herr Daske (zweiter von rechts) 1984 im Kreise einiger Mitarbeiter; rechts: Herr Daske und Frau Foitzik ca. 1990;
unten: Herr Daske (Mitte) am 13.12.2013 im Konstruktionsbüro der DAWEBA GmbH zusammen mit seinen ehemaligen
Kollegen Joachim Hornung (links) und Jens Falke (rechts).

 

Bothen, Dietmar
geb.: 19.12.1952 in Rochlitz
erlernter Beruf: Zerspanungsfacharbeiter
Arbeitsbeginn beim Funkwerk Dabendorf: 2.11.1975
derzeitige Funktion: Leiter Arbeitsvorbereitung


Der Herr auf dem linken Bild in der Mitte ist Herr Bothen im Jahre 1984,
rechts steht er im Januar 2010 vor einer Waagerecht-Flächenschleifmaschine.

 

Falke, Jens
geb.: 30.10.1964 in Treuenbrietzen
erlernter Beruf: Werkzeugmacher
erste Arbeitsstelle: Werkzeugbau Luckenwalde
weitere Qualifikation: seit 1997 Meister für Werkzeugfertigung,
Lehrlingsausbildung
derzeitige Tätigkeit: geschäftsführender Gesellschafter der DAWEBA
Arbeitsbeginn beim Funkwerk Dabendorf: 1989


Herr Falke bei einer Betriebsbesichtigung am 13.12.2013 vor einer hydraulischen Presse

 

Der älteste ehemalige Mitarbeiter

Hornung, Joachim
geb.: 26.11.1927 in Berlin
erlernter und bis zum Arbeitsende ausgeübter Beruf:
Werkzeugmacher
erste Arbeitsstelle: Henschel Flugzeugwerke
Beschäftigungsbeginn beim Funkwerk Dabendorf: 2.5.1949
Ausscheiden bei DAWEBA: 1991


Herr Hornung am 13. Dezember 2013 an seinem ehemaligen Arbeitsplatz, der noch heute so aussieht,
wie er ihn vor 22 Jahren verlassen hat.