Von Banholzer Metallwaren zu Ahlberg Metalltechnik

Eine Unternehmensgeschichte

Die Banholzer Metallwarenfabrik, Vorläuferin der Ahlberg Metalltechnik GmbH, wurde mit größter Wahrscheinlichkeit 1938 in Berlin gegründet und soll ihren ersten Sitz in der Nähe der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche gehabt haben. Inhaber war der aus Schwaben stammende, am 29. April 1907 geborene Johannes (Hans) Banholzer.

Nachgewiesenermaßen befand sich die Fabrik am 2. Juni 1939 in der Sebastianstraße 72 in Berlin SW 68 (Kreuzberg). An diesem Tag begann der aus dem Ruhrgebiet nach Berlin zugewanderte Karl Lindner (geb. am 24. September 1911 in Sterkrade/Oberhausen), bald schon intimer Freund Johannes Banholzers und später sogar Inhaber der Firma, seine Arbeit als Mechaniker in der Fabrik. Fast alle Firmen des Dritten Reiches, wie offensichtlich auch die Banholzer Metallwarenfabrik, stellten während des Zweiten Krieges kriegswichtige Güter her.
Dem Vernehmen nach soll es sich dabei um Fliegerbrillen für Piloten der Luftwaffe gehandelt haben. Weiteres ist darüber nicht bekannt.

In der Sebastianstraße 72 wurde die Firma dann auch nur ein dreiviertel Jahr nach Ende des Krieges, am 1. April 1946, unter der Bezeichnung "Mechanikerwerkstatt" neu eröffnet. Da das Haus starke Kriegsschäden aufwies, sah man sich nach neuen Gewerberäumen um und zog am 3. September 1949 in die Turmstraße 68 in Berlin-Moabit.


Gewerbeerlaubnis-Ausweis des Bezirksamtes Tiergarten von Groß-Berlin, Abteilung Wirtschaft,

für Hans Banholzer, wohnhaft in Berlin-Friedenau, Stubenrauchstraße 37

An diesen beiden Standorten fertigte man u. a. aus den Blechkanistern der Berliner Luftbrücke Blecherzeugnisse unterschiedlichster Art wie Töpfe, Schüsseln, Müllschippen, Konservendosen für Bauernschlachtungen, Sägen und Handwagen. Um die Kohlebeschaffung aus dem Umland sicherzustellen, kaufte man sogar einen Lastkahn.
Man muss dabei bedenken, unter welch enorm schwierigen Bedingungen die Betriebe in Berlin damals produzieren mussten. Fast die ganze Stadt lag in Trümmern, und Material zur Herstellung von Produkten war kaum zu beschaffen. Zusätzlich erschwert wurde die Situation im westlichen Teil Berlins durch die Berlin-Blockade der Sowjets, die zur Sperrung aller Straßen- und Eisenbahnverbindungen von den westlichen Besatzungszonen nach Berlin (West) und die  dadurch erforderliche Versorgung der Stadt durch Flugzeuge der Westalliierten mit der Luftbrücke vom 24. Juni 1948 bis 12. Mai 1949 führte, die Aufkündigung des Viermächtestatus für Berlin und Deutschland als Ganzes durch das Berlin-Ultimatum der Sowjetunion vom 17. November 1958, durch das der westliche Teil Berlins in eine selbständige politische Einheit, eine sogenannte "Freie Stadt" umgewandelt werden sollte, und schließlich die Teilung der Stadt durch den Mauerbau am 13. August 1961.

Am 31. März 1954 zog man schließlich in die Wiebestraße 13, Berlin NW (Moabit), wo die Firma unter der Bezeichnung "Johannes Banholzer Metallwarenfabrikation OHG" bis Ende der 1960er Jahre blieb und dort auch schon etwa 30 Mitarbeiter beschäftigte. Dort war man, wie schon in der Turmstraße, Zulieferer für Stanz-, Zieh- und Drückteile. Man belieferte z. B. sechs Werke von Daimler-Benz mit Motorengestellen und Seilwinden für Lkw und fertigte die Metallteile für die Reihenbestuhlung für das Olympiastadion, für Theater, Opernhäuser, Kinos, die Waldbühne und die Philharmonie.

Da Ende der 1960er Jahre für das Gebäude in der Wiebestraße jüdische Besitzansprüche geltend gemacht wurden, musste sich die Firma Banholzer nach neuen Räumen umsehen und hatte das Glück, dass ihr die Daimler-Benz AG kostenlos Gewerberäume auf einem Gelände am Salzufer in Berlin-Charlottenburg zur Verfügung stellte. Dort blieb sie 18 Monate, um dann 1968 in die Hennigsdorfer Straße 57 in Berlin-Heiligensee umzuziehen. Ihre Hauptkunden waren neben der Daimler-Benz AG (Motorengestelle, Stanzteile für Motorpumpen), die Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH (Waschmaschinen), die Firma Lindemann (Büromöbel) und Thyssen (Betonankerplatten, Steinsägeblätter). Für andere Kunden wurden Leiterplatten und Getriebeteile hergestellt.

Als der Firmengründer Johannes Banholzer 1963 verstarb, führte Karl Lindner, der zwei Drittel der Firmenanteile hielt, zusammen mit einer Miteigentümerin, der ein Drittel gehörte, die Firma weiter. Als auch diese 1973 starb, führte er den Betrieb allein weiter. Nachdem sich Karl Lindner 1980 aus der Firmenleitung zurückgezogen hatte, übernahm dessen Sohn Karl-Heinz Lindner (gelernter Einzelhandelskaufmann, Werkzeughändler, Einkaufsleiter in einer Maschinenfabrik, Ausbildung zum Techniker und Studium des Maschinenbaus) die Firma, die er unter dem Namen "Johannes Banholzer Metallwarenfabrikation" mit 14 Mitarbeitern in Heiligensee bis zum Verkauf weiterführte.

2005 hat Mario Ahlberg die Firma mit allen Mitarbeitern übernommen und für sie nach einem größeren Firmengelände gesucht, das er schließlich Ende 2006 in der Otisstraße 33 in Berlin-Reinickendorf fand, wo man nunmehr seit Anfang 2007 produziert.

Die Firmeninhaber der Banholzer Metallwarenfabrikation


Links: Johannes Banholzer, geb. am 29. April 1907 in Baden-Württemberg;
rechts: Karl Lindner, geb. am 24. September 1911 in Sterkrade/Oberhausen
Karl-Heinz Lindner, geb. am 8. Juni 1941 in Berlin (hier im Alter von etwa 50 Jahren)


Die älteste und die jüngste Maschine
der Banholzer/Ahlberg GmbH


Links: Die erste, von den Mitarbeitern liebevoll "Bertha" genannte, 1946 von Karl Lindner aus den Trümmern geborgene 15-t-Exzenterpresse, die zwar nicht mehr benutzt wird, aber immer noch funktionstüchtig ist.
Rechts: Die neueste Maschine des Standortes Otisstraße ist die auf diesem Bild zu sehende Exzenterpresse.

Einige langjährige Mitarbeiter der Banholzer/Ahlberg GmbH

Posniak, Detlef
geb. 23.4.1964
erlernter Beruf: Elektromontierer
ausgeübte Tätigkeit: Einrichter
Eintritt bei Banholzer: 18.2.1991


Stanzautomat, 320-t-Presse

Hoffmann, Heiko
geb. 2.9.1965
erlernter und ausgeübter Beruf: Werkzeugmacher
Eintritt bei Banholzer: Mai 1994


Werkbank zur Wartung von Werkzeugen, zum Arbeitsbereich von Herrn Hoffmann
gehörende Flachschleifmaschine ZT 48 von 2012

Klimmeck, Gerd
geb.: 8.4.1946
erlernter Beruf: Maschinenschlosser
Eintritt bei Banholzer: Januar 2000



Brock, Manfred
geb.: 7.12.1943
erlernter Beruf: Werkzeugmacher, Meister
Eintritt bei Banholzer: 1995
Tätigkeit bei Banholzer: Einführung der EDV, Qualitätssicherung, Zertifizierung, Erarbeitung des Qualitätshandbuchs
Ende der Tätigkeit: 30.10.2007